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Michael Mordo

Michael Mordo

Mein künstlerischer Weg begann mit der Marionette.

Ich war damals 11 Jahre alt und baute mit großer Leidenschaft fast unentwegt Marionetten, diese entbehrten allerdings “Grazie und Anmut” und hätte Kleist nur sie gesehen, kaum hätten sie ihn zu seinem berühmten Aufsatz inspiriert. – Ein Grund zur Besorgnis!

Glückliche Umstände, ein gewisses Durchhaltevermögen und meine Entschlossenheit führten mich gerade im richtigen Moment zu Albrecht Roser. Er wurde mein dringend benötigter Lehrer im Marionettenbau.

Später als enger Mitarbeiter begleitete ich ihn bei vielen Projekten. Bis zu seinem Tod (2011) pflegten wir regen künstlerischen Austausch. Er hat mir tiefe Einblicke in seine Arbeit gewährt.

Dadurch befeuert machte ich Fortschritte.

Marionetten machen Mühe. Sie zu bauen erfordert Zeit, Geduld und neben vielem anderen auch einiges theoretisches Wissen. Man muss sie lieben, sonst verheddert man sich im Gestrüpp ihrer Fäden und gibt auf.

Warum also liebe ich sie?

Es ist vermutlich genau das: die vorher erwähnte und zunächst verfehlte “Grazie und Anmut”. D.h. ihre vom Spieler scheinbar abgekoppelten Bewegungen, deren schönes Eigenleben auf ein autonomes, im besten Falle beseeltes Lebewesen schließen lassen.

Der Bau einer Marionette ist ein schöpferischer Akt. Immer geht es um Balance, um den Ausgleich, die Versöhnung von Gegensätzen:

Physik und Fantasie, Form und Funktion bestimmen ihr vielschichtiges Wesen. Sie pendelt förmlich zwischen Schwere und Leichte, Gravitation und Levitation, Tod und Leben (bildlich gesprochen).

Wie schön der Moment, wo sie sich – noch unvollendet – von ihrem Schöpfer löst und die Regie selbst in die Hand nimmt: zunächst die Gestalterische und Bauliche. Sie zeigt genau, welche Massnahmen der Figurenbildner ergreifen muss, um ihre Vollendung herbeizuführen. Ja, sie baut und spielt sich im gewissen Sinne selbst. Vorraussetzung ist Hin-Gabe, schon beim Bau. So entsteht das Potential aus dem die Darstellung schöpft.

Dies gilt freilich für alle Theaterfiguren.

Wer die gestalterische Seite der Marionette ernst nimmt, wird sich früher oder später auch für das weite Feld der bildenden Kunst interessieren. So erging es mir.

Maler und Bildhauer

Ich studierte Bildhauerei an der Kunstakademie Stuttgart. Parallel zu meiner plastischen Arbeit entwickelte ich eine eigene Maltechnik auf Gipsplatten und konnte so der faszinierenden Wirkung der Farbe nachspüren.

Ich bin heute als Maler und Bildhauer tätig. Im Gegensatz zu meiner Arbeit im Figurenbau bevorzuge ich hier eine nicht gegenständliche Bildsprache. Dies ist für mich kein Widerspruch, da es mir in beiden Fällen im weitesten Sinne um Form geht. Auch eine gegenständliche Arbeit spricht zunächst nicht durch ihren Inhalt, sondern durch ihre Form. Deshalb ist es so wichtig in Formen denken zu lernen, statt in Begriffen wie “Nase”, “Mund”, “Ohr” etc. Meine Schüler können ein Lied davon singen.

Apropos: Auch Musik ist Form, Form in der Zeit.

Ich bin ein großer Jazz-Liebhaber und improvisiere begeistert am Klavier. Musik empfinde ich als äußerst wertvolle Ergänzung für bildnerisches Arbeiten. Wer sich in ihr Wesen vertieft, hat aus meiner Sicht einen Schlüssel zur tiefsten Natur der Künste schlechthin.

Mein Lehrangebot

Eine besondere Stellung nimmt die Marionette ein. Es ist mir ein Anliegen, sie in ihrer ganzen Bandbreite zu behandeln:

  • ihre physikalischen Grundlagen
  • ihre Technik
  • ihre Gestaltung

Andere Figurenarten, wie Handpuppen oder Kurzstabfiguren, kann man ebenfalls unter meiner Anleitung bauen.

Handwerkliche Techniken, wie

  • Holzschnitzen
  • Herstellen von Gelenken
  • Farbiges Fassen von Figuren (Bühnenwirksames Bemalen)

sowie natürlich allgemeine bildnerische Grundlagen sind Themen meines Unterrichts.

Ich favorisiere eine Arbeitsweise in der man etwas entstehen lassen kann: Also intuitives, prozesshaftes Arbeiten im Dialog mit dem “Geschöpf”. Das Resultat, z.B. eine Puppe, ist dann nichts bloss “Gemachtes”, sondern ein “Gewordenes”.

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Prolog

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